Neujahrsgrüße aus Oberá Argentinien

Neujahrsgrüße aus Oberá Argentinien

Pünktlich zum Neujahr erreichte die Strahlemann Initiative ein ganz besonderer Brief. Strahlemann Praktikantin Isabel berichtet vor Ort aus Oberá Argentinien.

Buenas dias Strahlemann,

nun bin ich schon fast sechs Wochen im warmen Oberá und mir geht es wirklich gut hier.

Am Montag, dem 24.10. war dann endlich mein erster Tag in der Schule für Straßenkinder “La Sagrada Familia”. Ich war sehr aufgeregt, weil ich ja nicht gut spanisch spreche. Ich hatte Angst, dass die Kinder keine Geduld mit mir haben und sich nicht für mich interessieren, weil sie mich nicht verstehen und ich sie auch nicht. Aber genau im Gegenteil! Die Kinder finden es total spannend, dass ich aus Deutschland komme, können mittlerweile sogar schon ein bisschen auf Deutsch zählen und grüßen mich mit “Hallo”. Wenn ich ein Wort nicht verstehe, versucht es mir jeder zu erklären und die Jüngeren malen mir dann sogar die Gegenstände auf, damit ich weiß, was sie meinen. Auch die Lehrer integrieren mich wirklich gut und sind sehr interessiert an meinem Leben in Deutschland und daran, wie mir mein Aufenthalt in Argentinien gefällt. Ich werde allen vorgestellt und wurde sogar letzte Woche zum Geburtstag von einem der Lehrer eingeladen, was mich total gefreut hat! Der Unterricht der älteren Kinder beginnt morgens um 7.30 und endet um 11.30 mit dem Mittagessen. Die jüngeren haben von 13-17 Uhr Unterricht. Zur Begrüßung stehen die Kinder zur argentinischen Flagge gerichtet, welche im Flur hängt, und sagen alle zusammen einen Spruch auf. Dieses Ritual dient zum Ehren der Flagge und ist in ganz Argentinien so üblich. Die Schule ist eher klein, es gibt zwei Klassenräume mit jeweils ungefähr elf Schülern. Einen kleinen Raum für “Vorschul-Kinder” gibt es auch, sowie eine Küche, ein kleines Lehrerzimmer und eine Toilette. Sogar eine Mehrzweckhalle ist gerade im Bau.

Vor kurzem war ein Fest in einer anderen Schule aus Oberá, bei dem Schüler von insgesamt sieben Schulen aus Oberá einen traditionellen Tanz vorgeführt haben. Ich habe mit den Schülern den Tanz schon zwei Wochen vorher üben dürfen und war wirklich froh, dass ich die  Lehrer und die neun “Tänzer” begleiten konnte. Die Jungen hatten Hüte auf und die Mädchen Röcke und Blusen an. Das war für die Kinder besonders schön und sie haben mich die ganze Zeit gebeten Fotos von ihnen zu machen.

Aber eines der interessantesten Erlebnisse für mich war bis jetzt der Tag mit der Sozialarbeiterin der Schule, Rita. Sie besucht die Familien der Kinder, die nicht in der Schule waren und spricht dann mit den Eltern oder den Kindern selbst, um den Grund für ihr Fehlen herausrauszufinden. Häufig fehlen die Schüler, weil sie zuhause “arbeiten” müssen, d.h. auf die Straße betteln gehen, oder sie wohnen alleine mit ihren Geschwistern und haben niemand der sich darum kümmert, dass sie in die Schule gehen. Sie versucht dann den Kindern klar zu machen, dass Schule und Bildung wirklich wichtig sind und dass sie die Chance auf Bildung haben und diese auch nutzen sollten!

Das waren wirklich schon tolle Erfahrungen für mich und ich freue mich schon auf die letzten Schulwochen vor den Ferien, auf die nächste “Geldvergabe” und auf die Ferienspiele im Januar.

 Ganz liebe Grüße,

 Isabel

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